Berufsjäger: Ausbildung, Gehalt und Alltag im Revier
Berufsjäger ist einer der wenigen Berufe, in denen das Hobby zur Arbeit wird, ohne dass es aufhört, Arbeit zu sein. Wer Revierjäger werden will, sollte das vorher wissen: Der Beruf besteht zu einem großen Teil aus Wildschadensverhütung, Kirrungen, Zäunen, Gästebetreuung und Papierkram. Die Pirsch kommt dazu, aber sie ist nicht der Kern.
Die Ausbildung
Der Weg führt über die dreijährige Ausbildung zum Revierjäger, einem anerkannten Ausbildungsberuf nach Berufsbildungsgesetz. Ausbildungsbetriebe sind Privatreviere, Forstbetriebe mit Eigenjagd, Landesforsten und Jagdschulen. Die Berufsschule findet in Blöcken statt, in Deutschland vor allem an der Landwirtschaftlichen Fachschule in Hessen und in Bayern. Voraussetzung ist ein Jagdschein, den die meisten vor der Ausbildung machen.
Die Ausbildungsvergütung liegt deutlich unter der im Forst. Private Reviere zahlen oft nach eigenem Ermessen, Landesforsten nach dem Tarifvertrag für Auszubildende im öffentlichen Dienst mit rund 1.300 bis 1.400 Euro im Monat, Stand 2026. Dafür wohnen viele Azubis im Betrieb.
Nach der Gesellenzeit steht die Meisterprüfung zum Wildmeister offen. Sie ist die Eintrittskarte für Leitungsstellen in großen Revieren und für die eigene Ausbildung von Lehrlingen.
Das Gehalt
Hier wird es unübersichtlich, weil es keinen Branchentarif für Privatreviere gibt. Was sich aus den Ausschreibungen und Gesprächen mit Arbeitgebern ablesen lässt:
Berufseinsteiger in Privatrevieren verdienen meist zwischen 2.600 und 3.200 Euro brutto im Monat. Erfahrene Revierjäger mit eigenem Revier kommen auf 3.200 bis 4.000 Euro, Wildmeister in großen Betrieben auf 4.000 bis 5.000 Euro. Bei Landesforsten und Bundesforst richtet sich das Gehalt nach TV-L oder TVöD, Entgeltgruppe 6 bis 9, was im Ergebnis ähnlich ausfällt, aber mit Jahressonderzahlung und Zusatzversorgung.
Entscheidend sind die Nebenleistungen. Eine Dienstwohnung im Forsthaus ist üblich und spart in ländlichen Regionen 600 bis 1.200 Euro Miete im Monat. Dazu kommen Dienstfahrzeug, Jagderlaubnis, Wildbretanteil und oft die Übernahme von Waffe, Optik und Ausrüstung. Rechnet man das ein, steht ein Revierjäger mit 3.000 Euro Grundgehalt besser da als mancher Angestellte mit 4.000 Euro in der Stadt.
Die Kehrseite: Die Wohnung hängt am Arbeitsvertrag. Wer kündigt oder gekündigt wird, verliert sie meist mit. Unser Beitrag zur Dienstwohnung als Lohnbestandteil erklärt, was dabei steuerlich und arbeitsrechtlich zu beachten ist.
Wer einstellt
Die größten Arbeitgeber sind Landesforsten mit Regiejagd, der Bundesforst auf Truppenübungsplätzen und Liegenschaften des Bundes, große private Forstbetriebe und Güter, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen und Bayern, sowie Jagdbetriebe mit Gästejagd. Dazu kommen Stiftungen, Nationalparks und zunehmend Kommunen, die Berufsjäger für das Schwarzwildmanagement einstellen.
Die Stellen sind rar und werden selten lange ausgeschrieben. Wer sucht, sollte die Rubrik Berufsjäger auf Jagdjobs im Blick behalten und Initiativbewerbungen bei Forstbetrieben in der Wunschregion nicht scheuen.
Für wen sich der Beruf eignet
Für Menschen, die allein arbeiten können, körperlich belastbar sind und mit unregelmäßigen Zeiten leben. Drückjagdsaison, Schwarzwildnächte und Gästebetrieb kennen kein Wochenende. Wer Familie hat, braucht einen Partner, der das Landleben im Forsthaus mitträgt. Dafür bekommt man einen Beruf, der jeden Tag draußen stattfindet und in dem die eigene Arbeit sichtbar ist: im Wildbestand, im Wald und in der Jagdstrecke.