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Kultur, Geschichte & Sprache

Skandinavien und Deutschland: zwei starke Schulen der Jagdbekleidung im deutschen Markt

11. Mai 20267 Min Lesezeit
Skandinavien und Deutschland: zwei starke Schulen der Jagdbekleidung im deutschen Markt
Foto: Johannes Andersson, Outdoor-Jacke im Fels (Skandinavien)

Foto: Rowan Heuvel.

Geht man heute in einen deutschen Jagdfachhandel und schaut auf die Wandbestückung in der Bekleidungsabteilung, sieht man eine klare Geografie. Skandinavische Marken wie Härkila, Seeland und Deerhunter stehen neben deutschen Marken wie Parforce, Hubertus und Niggeloh und neben schwedisch-deutschen Klassikern wie Pinewood. Diese Vielfalt ist eine Stärke des deutschen Marktes. Beide Welten haben über Jahrzehnte eigene Identitäten, eigene Innovationen und eigene Stärken aufgebaut. Für Bewerber und Endkunden lohnt es sich, die Geschichten beider Schulen zu kennen.

Die skandinavische Schule

Die skandinavischen Marken sind in den 1980er Jahren in einer fast parallelen Bewegung entstanden. Härkila wurde 1985 in Västra Götaland im südschwedischen Kerngebiet der Elchjagd gegründet. Vor der Bekleidungsmarke gab es eine Härkila-Hundezucht, deren Jagdhunde regional bekannt waren. Aus der Hundezucht entstand die Idee, passende Jagdkleidung für die langen Tage im skandinavischen Klima zu entwickeln. 1990 brachte Härkila als erster skandinavischer Hersteller die GORE-TEX-Membrane in seine Jagdkleidung, ein technologischer Schritt, der die Marke früh positionierte.

Deerhunter wurde im selben Jahr 1985 in Dänemark von Carl D. Engel gegründet. Hinter dem Start steht die Familie Engel, die 1927 das Bekleidungsunternehmen F. Engel gegründet hatte, ursprünglich spezialisiert auf funktionelle Arbeitsbekleidung. Aus dieser Erfahrungsbasis heraus entstand die Marke Deerhunter, die heute in vierter Generation als F. Engel K/S geführt wird. 2009 wurde Deerhunter zum königlichen Hoflieferanten in Dänemark ernannt.

Seeland gehört wie Härkila zur dänischen Outfit International A/S. Innerhalb der Gruppe besetzt Seeland das mittlere Preissegment, während Härkila als Premium-Marke geführt wird. Diese saubere Segmentierung erlaubt es dem Konzern, unterschiedliche Kundenbedürfnisse innerhalb derselben Gruppe abzudecken, ohne die Markenidentitäten zu vermischen.

Die skandinavischen Marken sind heute international stark präsent, Härkila in über fünfzig Ländern, Deerhunter in über vierzig. Ihre frühe Technologie-Übernahme und ihre internationale Ausrichtung von Anfang an haben sie zu einer der prägenden Schulen im europäischen Jagdbekleidungs-Markt gemacht.

Die deutsche Schule

Die deutschen Marken haben eine eigene, ebenso prägende Tradition. Parforce wurde 1978 gegründet und entwickelt seitdem Jagdbekleidung, die in Funktionalität, Langlebigkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis zu den festen Größen im deutschen Markt zählt. Die Marke gehört zur Frankonia Handels GmbH & Co. KG und profitiert von der vertriebsstarken Anbindung an einen der größten deutschen Jagdversandhändler.

Hubertus ist eine weitere Marke mit langer deutscher Tradition und führt im deutschen Fachhandel eine sichtbare Rolle, vor allem im mittleren Preissegment. Die Marke steht für funktionelle Jagdbekleidung aus bewährten Materialien und mit einer breiten Größenauswahl, was im Tagesgeschäft des Fachhandels ein erheblicher Vorteil ist.

Niggeloh, gegründet im Sauerland, hat sich auf Riemen, Hundezubehör und ergänzende Ausrüstungen spezialisiert und ist in dem Bereich eine internationale Größe. Pinewood, schwedisch im Ursprung, aber stark in Deutschland verankert, fügt der Auswahl eine weitere etablierte Linie hinzu.

Auch im Bereich Schuhwerk haben deutsche Marken wie Meindl, Hanwag und Lowa über Jahrzehnte eine eigene Schule etabliert, die in der internationalen Outdoor- und Jagdwelt mit den skandinavischen Anbietern auf Augenhöhe steht.

Was beide Schulen ausmacht

Wer beide Welten anschaut, sieht zwei klar profilierte Schulen mit eigenen Stärken.

Die skandinavische Schule hat ein erkennbares Profil in der frühen Technologie-Adoption (Membranen, atmungsaktive Materialien, thermische Schichtsysteme) und in der konsequenten internationalen Aufstellung. Die Marken-Architektur in Gruppen wie Outfit International ist klar segmentiert und für den europäischen Markt sauber positioniert.

Die deutsche Schule hat ein eigenes Profil in der regionalen Verankerung, in der engen Beziehung zum Fachhandel und in einer ausgeprägten Preis-Leistungs-Orientierung, die im Mittelfeld des Marktes die Mehrzahl der täglichen Kaufentscheidungen prägt. Marken wie Parforce profitieren zusätzlich von Synergien innerhalb starker Vertriebsstrukturen, die in der mitteleuropäischen Konkurrenz einzigartig sind.

Beide Schulen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Die skandinavischen Marken haben in den letzten Jahren ihr Premium-Profil weiter geschärft und in neue Materialklassen investiert. Die deutschen Marken bauen ihre digitale Präsenz aus, schärfen die Marken-Architekturen und gehen verstärkt in nachhaltige Faserkonzepte.

Was das für Karrieren bedeutet

Wer in einer Marke aus der Jagdbekleidungs-Branche arbeiten oder dort einsteigen will, hat in Deutschland eine ungewöhnlich gute Auswahl. Sowohl die skandinavischen als auch die deutschen Marken sind in Deutschland mit Vertriebs-, Marketing-, Produktmanagement- und Servicepositionen vertreten. Die Standorte verteilen sich von Nord- bis Süddeutschland, mit Schwerpunkten dort, wo die Anbindung an Fachhandel und Endkunden besonders stark ist.

Bewerber sollten sich mit beiden Welten beschäftigen, weil sie unterschiedliche Karriere-Profile bieten. In einer skandinavischen Markengruppe arbeitet man typischerweise in internationalen Strukturen mit klaren Marken-Architekturen und etablierten Prozessen. In einer deutschen Marke arbeitet man häufig in engerer Bindung zum deutschen Fachhandel, mit kürzeren Entscheidungswegen und einer stark regional verankerten Markenidentität. Beides hat seinen Reiz, beides bietet langfristige Karriere-Pfade.

Wer technologische Tiefe in Materialwissenschaft oder Produktentwicklung mitbringt, ist in beiden Welten gefragt. Wer Vertriebserfahrung im deutschen Fachhandel hat, hat in den deutschen Marken einen besonders sichtbaren Mehrwert. Wer mit internationalen Marken-Architekturen umgehen kann, ist in den skandinavischen Gruppen am richtigen Platz.

Eine Position

Die deutsche Jagdbekleidungs-Branche ist eine der vielfältigsten in Europa, weil sie das parallele Wirken zweier starker Schulen erlaubt. Diese Vielfalt ist für Endkunden gewinnbringend, weil sie aus einem breiten Sortiment in unterschiedlichen Preislagen und Stilrichtungen wählen können. Sie ist für Bewerber gewinnbringend, weil sich daraus ein dichter und in mehreren Karriere-Pfaden zugänglicher Stellenmarkt ergibt.

Wer in dieser Branche arbeitet, sollte beide Welten als gleichwertige Partner verstehen, nicht als Konkurrenten. Skandinavische und deutsche Marken bedienen oft unterschiedliche Bedürfnisse desselben Kunden, und der Fachhandel funktioniert besser, wenn beide präsent sind. Diese Lesart prägt auch das, was im Vorstellungsgespräch sinnvoll ist: keine Hierarchien zwischen den Welten, sondern Anerkennung der jeweiligen Stärken.


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