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Saison-Stellen in der Jagdbranche: was sie sind, wer sie ausschreibt, was sie zahlen

11. Mai 20266 Min Lesezeit
Saison-Stellen in der Jagdbranche: was sie sind, wer sie ausschreibt, was sie zahlen
Foto: Adrian Eperjessy, Herbstwald im Nebel

Foto: Hanna Lazar.

Wer in der Jagdbranche nicht ganzjährig anstellbar ist, aber regelmäßig zusätzliches Einkommen aus jagdlichen Tätigkeiten zieht, gehört zu einem oft übersehenen Teil-Arbeitsmarkt. Die Saison-Stellen der Branche sind kein klassisches Beschäftigungsverhältnis, sondern eine Reihe von befristeten, projektbezogenen oder honorarbasierten Tätigkeiten, die den jagdlichen Jahreslauf abdecken. Wer sie kennt, kann seine eigene Berufsbiographie um eine wirtschaftlich substanzielle Komponente erweitern.

Was Saison-Stellen sind

Die Jagdbranche hat einen ausgeprägten Jahreszyklus. Die Drückjagd-Saison im Herbst und Winter, die Kitzrettung im Frühsommer, die Wildbret-Verarbeitung nach den Hauptjagdzeiten, die Saisonjagd im Hochgebirge mit Brunftzeit-Intensität, die Jagdreisen-Saison im Ausland: aus jedem dieser Rhythmen entstehen Beschäftigungen, die nicht das ganze Jahr laufen, dafür aber in ihren Zeitfenstern intensiv und gut vergütet sind.

Saison-Stellen sind in der Branche oft die Brücke zwischen ehrenamtlicher Beteiligung und hauptberuflicher Anstellung. Wer als ausgebildete Jägerin oder ausgebildeter Jäger im jagdlichen Netzwerk steht, kann über solche Tätigkeiten erste Berufserfahrung sammeln, sein Einkommen ergänzen oder einen klar abgegrenzten Tätigkeitsbereich neben einer anderen Hauptbeschäftigung aufbauen.

Drückjagden: Hundeführer und Treiber

Die größte Saison-Stellen-Kategorie der Branche sind die Drückjagden im Herbst und Winter. Forstbetriebe, Landesforsten und Privatreviere organisieren in dieser Zeit Bewegungsjagden, bei denen Hundeführerinnen und Hundeführer, Treiber und Standschützen zusammenarbeiten.

Hundeführer mit geprüften Stöberhunden, Bracken oder vergleichbaren Rassen sind dabei zentrale Akteure. Sie bekommen für jeden Jagdtag eine Aufwandsentschädigung, die sich zwischen den Veranstaltern unterscheidet. Die typische Bandbreite reicht von etwa 30 Euro pro Hund und Jagdtag bei Landesforsten in einigen Bundesländern bis zu 35 Euro für Durchgeher und Nachsuchengespanne. Privatreviere und Veranstalter zahlen oft ähnlich, manche bieten auch pauschale Tagessätze, die mit Reisekosten, Verpflegung und Übernachtung kombiniert sind.

Zusätzlich zur direkten Vergütung sind weitere Leistungen üblich. Freie Verpflegung während der Jagdtage ist Standard. Bei manchen Forstbehörden gibt es Zuschüsse zu Tierarztkosten oder Beteiligungen am Welpenkauf für Ersatzwürfe. Manche Reviere zahlen zudem Treffergeld oder Anteile am Wildbret.

Treiber sind die zweite Säule der Drückjagd-Organisation. Sie werden in der Regel pro Jagdtag pauschal vergütet, oft mit Tagessätzen zwischen 50 und 100 Euro, je nach Bundesland, Schwierigkeitsgrad und Veranstalter. Treiber-Stellen sind oft Einstiegspositionen für junge Jägerinnen und Jäger, die sich in der Branche orientieren wollen.

Kitzrettung: Frühsommer-Saison

Mit der ersten Mahd im Mai und Juni beginnt eine eigene Saison: die Kitzrettung. Wer eine Wärmebild-Drohne fliegt und in einem Kitzrettungsverein organisiert ist, hat in diesen Wochen oft mehrere Einsätze pro Woche. Die Vergütungsstrukturen sind hier teils ehrenamtlich, teils mit Aufwandsentschädigungen organisiert. Manche Landwirte zahlen Pauschalen direkt an die Drohnenpiloten, andere Aufgaben werden über die Vereinskasse organisiert.

Wie im eigenen Magazin-Artikel zum Thema "Drohnen im Forst" beschrieben, hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat 2026 ein Förderprogramm aufgelegt, das die Anschaffung von Wärmebild-Drohnen für Kitzrettungsvereine mit bis zu 3.000 Euro pro Gerät bezuschusst. Damit professionalisiert sich die Kitzrettungs-Saison weiter, was Beschäftigungs-Konstellationen entstehen lässt, die in den nächsten Jahren wahrscheinlich weiter wachsen werden.

Wildbret-Verarbeitung: nach den Hauptjagdzeiten

Nach Drückjagd-Saison und Brunftzeit fallen erhebliche Mengen Wildbret an, die zerwirkt, gekühlt und in den Markt gebracht werden müssen. In den Wildkammern der Landesforsten, in privaten Wildbret-Vermarktungen und in spezialisierten Wildbret-Verarbeitungsbetrieben entstehen daraus saisonale Beschäftigungen.

Wer aus dem Fleischer-Handwerk kommt oder eine Ausbildung in der Lebensmittelverarbeitung hat, findet in diesen Wochen oft befristete Stellen, die mit branchenüblichen Tagessätzen vergütet werden. Auch hier gilt: keine zentralen Tarife, regional und betrieblich unterschiedlich.

Saisonjagd in Privatrevieren

Privatreviere und Forstbetriebe mit eigener Jagd haben oft Bedarf an Saisonkräften für die Brunftzeit (Rotwild im Herbst, Sika und Damwild ebenfalls). Wer als ausgebildete Berufsjägerin oder ausgebildeter Berufsjäger verfügbar ist und die nötige Erfahrung mitbringt, kann in diesen Wochen sechs- bis zehnstündige Pirsch- oder Ansitzeinsätze übernehmen, oft mit Tagessätzen, die deutlich über den Drückjagd-Honoraren liegen.

Diese Stellen werden selten öffentlich ausgeschrieben. Sie laufen über persönliche Netzwerke, über Empfehlungen aus dem Hegering oder über die Beziehungen, die in Branchen-Veranstaltungen entstehen.

Jagdreisen: internationaler Saison-Markt

Outfitter und Jagdreise-Veranstalter organisieren in vielen Regionen der Welt Saisonjagden, die deutsches Personal benötigen. Reiseleitung, Übersetzung, Hundeführung und logistische Koordination sind Aufgabenfelder, in denen deutsche Saisonkräfte gesucht werden.

Bekannte Märkte für deutsche Jagdreise-Saisonkräfte sind Schottland (Rotwild-Hochjagd im Spätsommer), Skandinavien (Elch und Wolf in passenden Zeitfenstern), Osteuropa (Wildschwein und Sika in verschiedenen Saisons) und Afrika (Plains Game und Big Game in regional unterschiedlichen Zyklen). Diese Stellen werden über die Outfitter-Webseiten, in den Branchenmedien (DJZ, Wild und Hund, Pirsch) und über persönliche Empfehlungen besetzt.

Wie Saison-Stellen vertraglich aussehen

Vertraglich sind Saison-Stellen meistens nicht klassische Arbeitsverträge, sondern Honorarverträge, Dienstverträge oder Aufwandsentschädigungs-Vereinbarungen. Wer regelmäßig Saison-Tätigkeiten ausübt, sollte die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen verstehen.

Bei Honorarverträgen ist der Tätige selbständig und muss Einkommensteuer und gegebenenfalls Umsatzsteuer abführen. Bei Aufwandsentschädigungen unter bestimmten Grenzen können steuerliche Freibeträge greifen. Bei mehrtägigen, regelmäßigen Tätigkeiten kann eine sozialversicherungsrechtliche Einstufung als geringfügige Beschäftigung oder kurzfristige Beschäftigung sinnvoll sein.

Wer eine Saisonbeschäftigung zum festen Bestandteil seines Jahresbudgets machen will, sollte einen Termin bei einem Steuerberater einplanen, der mit Branchen-Spezifika vertraut ist. Die Beratungskosten sind in der Regel deutlich niedriger als die Steuer- oder Sozialversicherungs-Nachzahlungen, die ohne saubere Vertragsgestaltung entstehen können.

Wie man Saison-Stellen findet

Die meisten Saison-Stellen in der Jagdbranche werden nicht klassisch ausgeschrieben. Sie laufen über drei Kanäle.

Erstens, persönliche Netzwerke. Hegeringe, Forstvereine, Jagdverbände, Hundeschulen, Schießstände: dort werden Saison-Bedarfe besprochen und vermittelt. Wer in diesen Strukturen aktiv ist, hört von Saison-Möglichkeiten oft als erster.

Zweitens, Branchen-Medien. Wild und Hund, DJZ, Pirsch, Jäger und die Online-Foren der Branche listen Saison-Bedarfe regelmäßig, vor allem für Hundeführer-Einsätze und Treiber-Bedarfe vor den Drückjagd-Saisons.

Drittens, spezialisierte Plattformen. Jagdjobs.de listet zunehmend auch Saison-Stellen, vor allem aus dem professionalisierten Bereich (Kitzrettung, Wildbret-Verarbeitung, Outfitter).

Eine Position

Saison-Stellen sind ein eigener Karriere-Pfad in der Jagdbranche. Sie sind nicht für jeden die richtige Wahl, vor allem nicht für Personen, die finanzielle Planungssicherheit über einer flexiblen Tätigkeit stellen. Aber für ausgebildete Jägerinnen und Jäger, die ihre Tätigkeit als Lebensstil verstehen und die Bereitschaft mitbringen, in den Hauptjagdzeiten intensiv zu arbeiten, sind sie eine wirtschaftlich substanzielle Komponente.

Wer eine spätere Karriere in der hauptberuflichen Jagd plant, sammelt in Saison-Tätigkeiten Erfahrungen, die in keiner Ausbildung vermittelt werden können: die Praxis der Drückjagd-Logistik, der Umgang mit Hundeführern und Treibern, die Nachsuche-Verantwortung, die Beziehungspflege zu Forstbetrieben und Privatrevieren. Diese Erfahrungen sind in späteren Bewerbungsgesprächen oft das, was den Ausschlag gibt.


Aktuelle Saison- und Festanstellungen in der Jagdbranche findest du auf Jagdjobs.de.

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