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Jagdscheinzahlen Deutschland: was die DJV-Statistik über den künftigen Stellenmarkt verrät

11. Mai 20266 Min Lesezeit
Jagdscheinzahlen Deutschland: was die DJV-Statistik über den künftigen Stellenmarkt verrät
Foto: Logan Weaver, Schießscheibe auf dem Stand

Foto: Vladimir Kudinov.

Die wichtigste Zahl der deutschen Jagdbranche steht jedes Jahr in den Statistiken des Deutschen Jagdverbands. Sie ist nüchtern, sie ist öffentlich, und sie sagt mehr über den künftigen Stellenmarkt der Branche als die meisten Marktberichte. Stand 2024 sind in Deutschland 460.771 Jägerinnen und Jäger im Besitz eines gültigen Jagdscheins. Das sind 5,5 Personen pro 1.000 Einwohner. Ein historischer Höchststand.

Wer diese Zahl liest, sieht zunächst nur einen Bestand. Wer sie in den Kontext der letzten drei Jahrzehnte stellt, sieht eine Strukturveränderung mit handfesten Konsequenzen für die Beschäftigung in der gesamten Jagd-Wertschöpfungskette.

Die Kernzahlen

Die wichtigsten Daten des DJV in einer knappen Übersicht:

Die Zahl der Jägerinnen und Jäger in Deutschland ist seit 1994 um 38 Prozent gestiegen. Was vor dreißig Jahren als alternde Nische galt, hat sich zu einer wachsenden Community entwickelt, die jährlich neue Mitglieder anzieht.

Der Frauenanteil unter den Jagdscheininhaberinnen und -inhabern liegt 2024 bei 11 Prozent. Das ist ein Anstieg um mehr als die Hälfte gegenüber 2016. An den Jagdschulen, die heute neue Jägerinnen und Jäger ausbilden, beträgt der Frauenanteil bereits 28 Prozent. Wer den Vorlauf sieht, sieht eine Verschiebung, die in den kommenden Jahren in den Bestandszahlen sichtbar werden wird.

Die Jagdschulen melden steigende Anteile von Teilnehmenden ohne familiäre oder klassisch-traditionelle Vorerfahrung mit dem Waidwerk. Das verändert das Erwartungs- und Beratungsprofil der gesamten Branche, weil ein wachsender Anteil der neuen Jägerschaft zum ersten Mal aktiv mit Optik, Munition, Hundeausbildung und Wildbret in Berührung kommt.

Was das für die Branche bedeutet

Die Jäger sind die Endkunden fast jedes Berufsbilds in der Jagdbranche. Mehr Jäger heißt mehr Bedarf an Beratung im Fachhandel, mehr Käufer für Optik und Bekleidung, mehr Nachfrage nach Bildungs-Angeboten und mehr Mitglieder in den Verbänden.

Das überträgt sich messbar auf den Stellenmarkt der Branche. Beispielhaft drei Bereiche.

Erstens, der Fachhandel. Mehr Jägerinnen und Jäger bedeuten eine breitere Kundschaft mit unterschiedlichen Erfahrungsstufen und Bedürfnissen. Das führt zu einer wachsenden Nachfrage nach Beratungspersonal mit fachlicher Tiefe, das die wachsende Bandbreite der Endkunden bedienen kann. Auch der Online-Handel profitiert direkt von dieser Entwicklung, mit entsprechenden Stellen in Sortimentsmanagement, Kundenservice und Content.

Zweitens, die Bildungs- und Ausbildungsanbieter. Jagdschulen, App-Anbieter wie Waidwissen, Branchenverlage und Weiterbildungsstrukturen wachsen mit der steigenden Zahl an Neueinsteigern. Stellen in Redaktion, Produktentwicklung, Vertrieb und Schulungsleitung entstehen vor allem dort, wo Anbieter ihre Programme breit aufstellen.

Drittens, die Verbände. Mehr Mitglieder bedeuten mehr Beitragsaufkommen, mehr Veranstaltungen, mehr Bildungsangebote und damit auch mehr Stellen in der Verbandsverwaltung. Der Deutsche Jagdverband und die Landesjagdverbände bauen ihre Geschäftsstellen und Bildungsabteilungen mit dem Wachstum der Jägerschaft kontinuierlich aus.

Was das für die Industrie bedeutet

Die wachsende Jägerschaft ist auch ein Wachstumstreiber für die Industrieseite der Branche. Optikhersteller, Waffen- und Munitionsproduzenten, Bekleidungsmarken und Hundezubehör-Anbieter erleben in Deutschland einen stabilen Heimatmarkt, der über die letzten Jahrzehnte eher gewachsen als geschrumpft ist. Diese Stabilität wirkt sich auf Investitionsentscheidungen aus, auf Standortpolitik und auf Personalplanung.

In den Vertriebsorganisationen der Hersteller entstehen daraus Stellen, die sich an die wachsende Diversität der Endkunden anpassen. Beratung für Jägerinnen, Beratung für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger ohne Tradition, Beratung für jüngere Zielgruppen mit eigenen Erwartungen an digitale Information, Online-Beratung und Produktauswahl. Diese Profile sind in den Stellenausschreibungen der letzten zwei bis drei Jahre sichtbar präsenter geworden.

Was das für Jagdschulen und Lehrgangs-Anbieter bedeutet

Die Jagdschulen sind die direkte Brücke zur neuen Jägerschaft. Ihre Anbieter sind heute ein eigener Teil-Arbeitsmarkt der Branche, mit Stellen für Lehrgangsleitende, Schießlehrkräfte, Hundeausbilder, App-Entwicklerinnen und -Entwickler sowie pädagogisches Personal. Mit dem Wandel zu mehr digitalen und hybriden Lehrformaten entstehen Stellen, die vor zehn Jahren in der Branche kaum existiert haben.

Anbieter mit App-orientierten Konzepten (etwa Waidwissen) ergänzen die klassischen Präsenz-Lehrgänge, was die Vielfalt der Berufsfelder im Bildungsbereich vergrößert. Wer aus dem E-Learning, der Redaktion oder dem Education-Tech-Bereich in die Jagdbranche wechseln will, findet dort heute Anschlussmöglichkeiten.

Welche Berufsbilder besonders profitieren

Aus dem Wachstum der Jägerschaft lassen sich Profile ableiten, deren Nachfrage in den kommenden Jahren wahrscheinlich besonders stabil bleibt.

Fachhandels-Beratung mit jagdpraktischer Erfahrung. Wer im Fachhandel arbeitet und gleichzeitig selbst Jägerin oder Jäger ist, kann die wachsende Kundschaft auf Augenhöhe bedienen, was sich in steigenden Stellenausschreibungen widerspiegelt.

Schießlehrtätigkeiten und Hundeausbildung. Mit jedem Jahr neuer Jagdschein-Absolventen steigt die Nachfrage nach qualifizierter weiterführender Ausbildung. Schießstand-Betreiber, Hundeschulen und Jagdschulen melden seit Jahren steigende Anmeldezahlen.

Content- und Redaktionsstellen in Branchenmedien. Magazine wie Wild und Hund, Jäger, Pirsch sowie digitale Branchenangebote haben in den letzten Jahren ihre redaktionellen Teams ausgebaut, um die wachsende und vielfältigere Leserschaft zu bedienen.

Verbands- und Bildungsstellen. Verbände suchen Personal mit Erfahrung im Veranstaltungs- und Bildungsmanagement, in der Mitgliederkommunikation und im Marketing.

Wie Arbeitgeber die Statistik nutzen können

Für Arbeitgeber in der Jagdbranche ist die DJV-Statistik ein nützliches Planungsinstrument. Sie zeigt, dass der deutsche Markt wächst, sich diversifiziert und neue Zielgruppen erschließt. Wer als Arbeitgeber Personalplanung für die nächsten drei bis fünf Jahre macht, sollte diese Strukturveränderung mitdenken.

Konkret bedeutet das: Stellenanzeigen, die explizit auch weibliche und Quereinsteiger-Profile ansprechen, treffen heute auf eine viel breitere Bewerberbasis als noch vor zehn Jahren. Beratungs- und Vertriebsteams, die divers aufgestellt sind, können die wachsende Jägerschaft besser bedienen. Bildungs- und Trainee-Programme, die Anschluss an die neuen Jägerinnen und Jäger schaffen, sind ein Wettbewerbsvorteil im Recruiting.

Eine Position

Die Jagdscheinzahlen sind das Fundament der Branche, und sie sind seit Jahrzehnten positiv. Die deutsche Jagd ist eine wachsende Community, sie wird jünger, weiblicher und vielfältiger. Für die Beschäftigten und Arbeitgeber in der Branche ist das eine der stabilsten Entwicklungen, die sich für die nächsten Jahre vorhersagen lässt.

Wer als Bewerberin oder Bewerber in die Branche kommen will, sollte diese Entwicklung kennen. Sie ist nicht nur Statistik, sie ist der Grund dafür, dass es in fast jedem Berufsbild der Branche heute mehr Stellen gibt als noch vor zehn Jahren. Wer als Arbeitgeber Recruiting plant, kann auf diesen Trend bauen.


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