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Drohnen im Forst: ein neues Berufsfeld entsteht zwischen Kitzrettung und Borkenkäfer-Monitoring

11. Mai 20267 Min Lesezeit
Drohnen im Forst: ein neues Berufsfeld entsteht zwischen Kitzrettung und Borkenkäfer-Monitoring
Foto: Clay Banks, Drohne über Waldkante

Foto: Rowan Heuvel.

Der einfachste Zugang zum Berufsbild Drohnenpilot in der Jagd- und Forstbranche führt im Frühsommer 2026 über eine Wiese vor Sonnenaufgang. Ein Landwirt will mähen. Ein Jäger oder ein Mitglied eines Kitzrettungsvereins startet eine Drohne mit Wärmebildkamera, sucht die Fläche systematisch ab, markiert Hotspots, läuft mit Helfern hin, hebt die Kitze raus oder stellt einen Korb darüber. Diese Praxis hat sich in den letzten fünf Jahren so durchgesetzt, dass das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sie 2026 mit einem eigenen Förderprogramm unterstützt.

Aus dem Ehrenamt wird langsam ein Berufsbild. Noch ohne klare Ausbildung, ohne anerkannte Berufsbezeichnung, ohne Tarif. Aber mit erkennbarer Nachfrage und einer Förderlandschaft, die das Tätigkeitsfeld in den nächsten Jahren wahrscheinlich verfestigen wird.

Was die Förderung leistet

Das Bundesförderprogramm Rehkitzrettung hat im Jahr 2026 ein Volumen von 2,1 Millionen Euro und finanziert pro Antragsteller eine Drohne mit Wärmebildkamera mit einem Festbetrag von maximal 3.000 Euro. Antragsberechtigt sind eingetragene Vereine: Kreisjagdverbände, Jägervereinigungen auf Landes-, Kreis- oder Ortsebene sowie Kitzrettungsvereine, deren Satzungszweck die Rettung von Wildtieren umfasst. Die Förderung wird durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) abgewickelt.

Diese Konstruktion ist wichtig zu verstehen, weil sie das Berufsbild prägt: Förderfähig sind nicht Einzelpersonen, sondern Vereine. Wer als Drohnenpilot in der Kitzrettung aktiv werden will, läuft in der Regel zunächst über die Mitgliedschaft in einem Verein, der dann das Gerät anschafft und betreibt. Die hauptberufliche Tätigkeit als selbständiger Drohnenpilot in der Kitzrettung gibt es zwar, sie ist aber in der Anfangsphase. Die meisten der etwa eintausend bis zweitausend aktiven Pilotinnen und Piloten in Deutschland machen die Arbeit ehrenamtlich oder als Nebentätigkeit.

Was eine Drohne im Frühsommer-Einsatz technisch leistet

Die Drohnen, die in der Kitzrettung eingesetzt werden, bestehen aus zwei Hauptkomponenten: einer stabilen Trägerplattform und einer Wärmebildkamera mit ausreichender Empfindlichkeit, um die Körperwärme eines Kitzes vom kühleren Untergrund einer Frühsommerwiese zu unterscheiden. Die Einsatzzeit liegt in den kühlen Morgenstunden, weil der Temperaturkontrast dort am größten ist.

In der Praxis fliegt die Drohne in vordefinierten Bahnen über die Mähfläche, der Pilot oder eine zweite Person beobachtet das Live-Bild auf einem Tablet oder Monitor. Sobald ein Hotspot auftaucht, wird das Bild verifiziert (Kitze sind klein, ein einzelner Tonpunkt kann auch ein liegender Hase oder ein Haufen wärmespeichernder Mahd sein). Ist das Tier identifiziert, läuft ein Helfer mit einem belüfteten Korb oder einer Box zur Stelle, deckt das Kitz ab und markiert die Stelle für den Landwirt.

Eine Fläche von zehn Hektar wird damit in Größenordnungen von 30 bis 60 Minuten abgesucht, abhängig von Drohnen-Konfiguration und Geländeprofil. Die manuelle Vermerkung mit Helferketten und Hunden, die früher üblich war, brauchte für die gleiche Fläche das Zwei- bis Dreifache an Zeit und fand Kitze deutlich unzuverlässiger.

Über die Kitzrettung hinaus

Was als saisonale Wildtierrettung beginnt, hat sich in den letzten Jahren zu einem breiteren Einsatzfeld in Forstwirtschaft und Wildtiermanagement entwickelt. Drohnenbefliegungen werden inzwischen auch für die folgenden Aufgaben eingesetzt.

Borkenkäfer-Früherkennung: Stehendes Nadelholz mit beginnendem Befall verfärbt sich oft, bevor das menschliche Auge am Boden den Schaden erkennt. Multispektral-Drohnen können solche Verfärbungen großflächig identifizieren und damit Forstbetrieben helfen, Sanitärhiebe gezielt zu setzen. Mehrere kommerzielle Anbieter in Deutschland (Drohnenbefliegungen.de, Droneline, Coptertec u. a.) bieten diese Leistung als externe Dienstleistung an.

Wildbestand-Monitoring: Wärmebild-Drohnen können in dichten Wäldern Wildbestände erfassen, die mit klassischer Sichtzählung schwer einzuschätzen sind. Das ist relevant für die Vegetationsgutachten, die die Landesforsten für ihre Abschussplanung brauchen.

Schadens- und Bestandsdokumentation: Nach Sturm- oder Käferschäden lassen sich mit Drohnenbefliegung Flächen schnell dokumentieren, was für Versicherungs- und Förderzwecke wichtig ist.

Aufforstungs-Kontrolle: Auf großen Wiederbewaldungs-Flächen kann eine Drohnenbefliegung dokumentieren, welche Anteile angegangen sind und wo nachgepflanzt werden muss.

Wo ein Berufsbild entsteht

Der Drohnenpilot ist in Deutschland noch kein anerkannter Ausbildungsberuf. Es gibt kein duales System für diese Tätigkeit und keine Kammer-geprüfte Gesellenprüfung. Was es gibt, sind Zertifikate des Luftfahrt-Bundesamtes für den gewerblichen Drohnenbetrieb (Drohnenführerschein A1/A3 für kleinere Geräte, A2 für gewerbliche Klassen) und private Schulungsanbieter, die spezifische Kurse für Forst- und Landwirtschaftseinsätze anbieten.

In der Praxis bauen sich die Drohnenpiloten in der Jagd- und Forstbranche auf drei Wegen auf:

Erstens als Ehrenamt mit Übergang in Nebenerwerb. Ein Mitglied eines Kitzrettungsvereins, das die Saison über mehrere Hundert Einsätze fliegt, bekommt von Landwirten Aufwandsentschädigungen oder pauschale Honorare. Aus dieser Erfahrung entsteht oft die Selbstständigkeit mit einer eigenen Dienstleistung.

Zweitens als Nebentätigkeit eines Forstwirts oder Försters. Wer im Forstrevier ohnehin viel mit Drohnen arbeitet, kann die Kompetenz selbst aufbauen und sie für Wildbestandszählungen, Schadensdokumentation und Borkenkäfer-Monitoring nutzen, ohne externe Dienstleister beauftragen zu müssen.

Drittens als kommerzieller Dienstleister mit Forstwirtschafts-Fokus. Diese Marktteilnehmer haben oft technische Ausbildung (Geomatik, Photogrammetrie, Vermessung) und erweitern ihr Portfolio in Richtung Forst- und Jagdkunden.

Was diese Stellen wirtschaftlich tragen

Verlässliche Gehaltszahlen für Drohnenpiloten in der Jagd- und Forstbranche sind 2026 schwer zu finden, weil das Berufsbild noch nicht statistisch erfasst wird. Was sich aus den Praxisberichten und kommerziellen Anbieter-Preislisten ableiten lässt: ein Saison-Einsatz für Kitzrettung wird oft zwischen 80 und 150 Euro pro Stunde gerechnet, eine Multispektral-Befliegung für Forstbetriebe deutlich höher. Vollerwerblich ist die Tätigkeit für die meisten noch nicht, weil die Saisonalität (Kitzrettung) und die Konkurrenz durch die geförderten Vereine den Markt dämpfen.

Wer eine Karriere als Drohnenpilot in dieser Branche plant, sollte das Berufsbild deshalb als Kombination aus zwei oder drei Standbeinen denken: Forstwirtschaftliche oder jagdliche Grundqualifikation plus Drohnen-Zertifizierung plus ein zusätzliches Spezialgebiet wie Photogrammetrie oder Multispektral-Analyse.

Eine ehrliche Einschätzung

Drohnen im Forst sind kein Hype-Thema mehr und kein Zukunftsversprechen, sondern eine etablierte Technologie mit klaren Anwendungsfeldern. Sie werden in den nächsten Jahren mehr Stellen schaffen, vor allem dort, wo sie bestehende Aufgaben effizienter machen, ohne komplett neue Strukturen zu erfordern.

Ein eigenes Berufsbild "Forst-Drohnenpilot" wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren wahrscheinlich noch nicht verfestigen. Aber als zusätzliche Qualifikation für Forstwirte, Wildtiermanager und Berufsjäger wird die Drohnenkompetenz zum festen Bestandteil des modernen Anforderungsprofils. Wer in der Branche bleiben will, sollte den Drohnenführerschein nicht als Luxus, sondern als nächste Pflichtqualifikation betrachten, ähnlich wie heute der Jagdschein, der GIS-Umgang und der Schweißhundeführer.


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