Berufsbegleitend Forstwirt: welche Wege es gibt, und welche nicht
Foto: Rowan Heuvel.
Die häufigste Frage von Spät-Einsteigern in die Forstbranche lautet: kann ich Forstwirt werden, ohne meinen aktuellen Job aufzugeben? Die ehrliche Antwort lautet: nur in sehr engen Grenzen, und meistens nicht so, wie sich die Frage stellende Person das wünscht.
Dieser Text räumt die Pfade auf. Wo gibt es berufsbegleitende Wege, wo gibt es sie nicht, und welche Alternativen führen über Umwege zum gleichen Ziel.
Die Forstwirt-Ausbildung selbst läuft fast nur in Vollzeit
Die klassische Forstwirt-Ausbildung dauert drei Jahre. Sie ist als duale Ausbildung organisiert, mit Berufsschulanteilen, betrieblicher Praxis im Forstrevier und praktischen Lehrgängen in den forstlichen Bildungszentren der Bundesländer. Diese Struktur ist auf Vollzeit angelegt.
Berufsbegleitend, also abends und an Wochenenden, lässt sich nur ein kleiner Teil der Ausbildung absolvieren. Praktische Übungen mit Motorsäge, Seilwinde, Schlepper und Pflanzwerkzeug werden ausschließlich tagsüber, in Präsenz, in den Bildungszentren oder im Revier durchgeführt. Exkursionen mit Forstmaschinen-Einsätzen, motormanueller Holzeinschlag, Verkehrssicherungs-Praktika, Erste-Hilfe-Lehrgänge: das alles ist nicht digitalisierbar und nicht in den Abend verlagerbar.
Wer eine Umschulung zum Forstwirt plant, sollte deshalb davon ausgehen, dass die Tätigkeit für die Dauer der Ausbildung das Haupteinkommen ersetzt. Über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit ist die Finanzierung möglich, Umschüler bekommen außerdem Hilfen zum Lebensunterhalt. Die Konditionen unterscheiden sich nach Bundesland und Lebenslage. Anbieter wie OTTI, Stiftung Bildungszentrum, einzelne Landesforstbetriebe und private Forstbildungszentren bieten Umschulungs-Programme an, die in der Regel zwei Jahre Theorie und ein Jahr Praxis kombinieren.
Echte Teilzeit-Modelle für die Forstwirt-Ausbildung sind selten und meist Einzelfall-Vereinbarungen mit einem ausbildenden Forstbetrieb. Wer eines findet, hat eher einen wohlwollenden Arbeitgeber als ein systematisches Angebot.
Der akademische Pfad ist berufsbegleitend besser zugänglich
Wer berufsbegleitend in die Forstbranche will, hat auf der akademischen Seite mehr Optionen. Mehrere Hochschulen bieten Bachelor- oder Master-Studiengänge in Forstwirtschaft an, die teilweise in Teilzeit oder im Fernstudium absolviert werden können.
Die Hochschulen Eberswalde, Göttingen und Rottenburg haben ihre Bachelor-Programme in den vergangenen Jahren zunehmend mit Online-Seminaren und digitalen Exkursionen ergänzt, sodass das Studium für Berufstätige machbarer geworden ist. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester, im Teilzeitmodus dehnt sich das auf acht bis zehn Semester. Es gibt staatliche und private Anbieter. Bei staatlichen Hochschulen fällt nur der reguläre Semesterbeitrag an, bei privaten Anbietern können die Studiengebühren zwischen 2.000 und 15.000 Euro liegen.
Wichtig: ein Bachelor in Forstwirtschaft ersetzt nicht die Forstwirt-Ausbildung. Es sind zwei verschiedene Berufsbilder. Wer im Wald an der Motorsäge arbeiten will, kommt mit dem Bachelor nicht weit. Wer im Forstrevier planen, leiten, beraten will, braucht eher den Bachelor als die Forstwirt-Ausbildung. Quereinsteiger, die berufsbegleitend einen akademischen Forstabschluss machen, landen typischerweise in Revier-Verwaltungen, Naturschutz-Behörden, Forst-Beratungsfirmen oder im Wildtiermanagement, nicht in der operativen Forstarbeit.
Forstwirtschaftsmeister als zweiter Aufstiegsweg
Wer schon eine Forstwirt-Ausbildung hat und berufsbegleitend weiterkommen will, kann den Forstwirtschaftsmeister anstreben. Die Voraussetzung ist eine erfolgreich abgelegte Forstwirt-Prüfung und mindestens zwei Jahre Berufspraxis. Die Meisterkurse werden in den meisten Bundesländern von den Landwirtschaftskammern und forstlichen Bildungszentren angeboten, häufig in modularer Form, die sich neben dem Beruf absolvieren lässt.
Der Meister öffnet typischerweise den Aufstieg zu Revier-Stellvertretungen, zur Ausbildereignung, zur eigenständigen Forstbetriebsleitung in kleineren privaten Forstbetrieben. In den Tarifstufen der Landesforsten ist der Meister eine eindeutige Höherstufung.
Was tatsächlich berufsbegleitend funktioniert
Wer im aktuellen Job bleiben und sich parallel auf den Forstbereich vorbereiten will, hat folgende Pfade:
Erstens, ein berufsbegleitendes Forstwirtschafts-Studium im Fernstudien-Modus, mit dem Ziel, später als Forstmanager, Revier-Leiter oder Naturschutz-Spezialist einzusteigen. Diese Route ist machbar und dauert mit Berufstätigkeit typischerweise vier bis sechs Jahre für den Bachelor.
Zweitens, einzelne Forst-Module aus Weiterbildungsangeboten der Landesforsten und privater Anbieter. Module zu Waldpädagogik, Verbissmonitoring, Schweißhundeausbildung, Forstschutz oder Naturschutz lassen sich einzeln belegen und in Zertifikatslehrgänge umsetzen. Sie führen nicht zu einem vollwertigen Berufsabschluss, aber sie sind ein erster Schritt und in Bewerbungen sichtbar.
Drittens, ehrenamtliche Mitarbeit in einem Forstbetrieb oder einem Jagdrevier. Wer einige Wochenenden pro Monat im Revier des Onkels mitarbeitet, einen Hegering-Vorstand übernimmt oder als Helfer beim Bundes-Kitzrettungs-Programm aktiv ist, baut Branchenwissen auf, das sich nicht durch Lehrgänge erwerben lässt. Für viele spätere Bewerbungen ist das die wichtigste Substanz.
Viertens, der Jagdschein selbst. Er wird in vielen Bundesländern als Abendkurs angeboten, dauert je nach Programm sechs bis zwölf Monate und kostet zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Für die forstliche Karriere ist er nicht obligatorisch, aber für viele Wildtiermanagement-Stellen, Revier-Tätigkeiten und Privatreviere praktisch Voraussetzung.
Was nicht berufsbegleitend funktioniert
Wer ohne längere Vollzeit-Phase Forstwirt mit allen Praxis-Komponenten werden will, scheitert in den meisten Fällen. Die Forsttechnik-Praktika, der motormanuelle Holzeinschlag, die Pflanzpraxis im Frühjahr, all das verlangt Tagespräsenz im Bildungszentrum oder im Revier.
Die Konsequenz: ein 35-jähriger Banker, der berufsbegleitend Forstwirt werden will, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen, dass der Weg über eine längere Vollzeit-Umschulungsphase führt oder über das berufsbegleitende Studium mit anderem Berufsziel als der reinen operativen Forstarbeit.
Eine ehrliche Einschätzung
Wer in der Forstbranche ankommen will, ohne den Beruf zu wechseln, sollte den akademischen Pfad nehmen und nicht den Ausbildungs-Pfad. Das berufsbegleitende Bachelor-Studium Forstwirtschaft ist in Deutschland möglich, an den Hochschulen Eberswalde, Rottenburg und teilweise Göttingen, mit überschaubaren Kosten und mit Karrierezielen in Verwaltung, Beratung, Wildtiermanagement und Naturschutz.
Wer dagegen die operative Forstarbeit im Wald sucht, kommt um eine Vollzeit-Umschulung nicht herum. Drei Jahre, ein deutlich reduziertes Einkommen, ein anstrengender körperlicher Alltag im Freien bei jeder Witterung. Das ist machbar, mit Bildungsgutschein und sozialer Absicherung. Aber es ist kein berufsbegleitender Pfad, und wer sich das anders erzählt, geht in eine teure Enttäuschung.
Aktuelle Stellen in Forst, Wildtiermanagement und Naturschutz findest du auf Jagdjobs.de.