Afrikanische Schweinepest und ihre Folgen für Berufsjäger-Stellen
Foto: Hanna Lazar.
Seit dem ersten Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf deutschem Boden im September 2020 hat sich die Tierseuche in mehreren Bundesländern festgesetzt. Brandenburg, Sachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben in den vergangenen fünf Jahren ASP-Fälle gemeldet, in unterschiedlichem Umfang und mit unterschiedlich strikten Restriktionszonen. Diese Tierseuche ist nicht nur ein veterinärmedizinisches Thema. Sie hat einen eigenen Arbeitsmarkt in der Jagdbranche entstehen lassen.
Warum Berufsjäger und Wildtiermanagement im ASP-Einsatz so wichtig sind
Die ASP ist für Hausschweinbestände tödlich, für den Menschen ungefährlich. Sie wird in Deutschland überwiegend über Wildschweine verbreitet. Die zentrale Strategie der Tierseuchen-Bekämpfung ist deshalb die Reduktion der Wildschweindichte in den betroffenen Regionen, kombiniert mit räumlicher Eingrenzung der Erreger-Verbreitung durch Zäune, Suche und Bergung verendeter Tiere.
Diese Aufgaben überfordern die örtlichen Jagdpächter in den meisten Fällen. Die schiere Größe der betroffenen Flächen, die Notwendigkeit professioneller Such-Hunde-Einsätze, die hygienischen Vorschriften bei der Tierbergung und die Koordination mit Veterinärbehörden verlangen Personal, das hauptberuflich verfügbar ist. Daraus ist in den letzten Jahren ein wachsendes Stellenangebot entstanden, das es vor 2020 in dieser Form nicht gab.
Konkrete Beispiele aus Brandenburg
Brandenburg ist das Bundesland mit den meisten ASP-Erfahrungen. Die Landesregierung hat verschiedene Maßnahmenpakete aufgelegt, die direkt auf den Arbeitsmarkt der Branche wirken.
Brandenburg zahlt eine Aufwandsentschädigung von 150 Euro für jedes erlegte Wildschwein innerhalb der ASP-Restriktionszonen. Diese Prämie ist seit ihrer Einführung mehrfach angepasst worden und stellt für viele Jagdausübungsberechtigte einen ergänzenden Einkommensbeitrag dar.
Das Land hat zudem in einzelnen Landkreisen Berufsjäger eigens angestellt. Im Bereich der Wildschweinfänge und der Zaun-Inspektion wurden in der Vergangenheit beispielsweise zwei Berufsjäger eingestellt, die Zäune zweimal wöchentlich kontrollieren. Solche Stellen sind in den letzten Jahren in mehreren Landkreisen entstanden, oft als befristete Stellen mit Verlängerungsoption, gekoppelt an die jeweilige Tierseuchen-Lage.
Brandenburg macht laut Landesregierung gute Fortschritte in der ASP-Bekämpfung. Bis Juni 2024 wurden nur noch 40 neue Fälle registriert, ein Rückgang von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese positive Entwicklung dokumentiert, dass die Bekämpfungsmaßnahmen mit professionellem Personal Wirkung zeigen.
Wie Sachsen, Hessen und andere Länder ASP-bedingt einstellen
Sachsen hat einen Drei-Stufen-Plan für die Tilgung von Schwarzwild in Schutzkorridoren aufgelegt. Auch hier sind Beschäftigungsstrukturen entstanden, die mit der Tierseuche verbunden sind: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Veterinärämtern, im Wildtiermanagement der Landesforsten und in den ASP-spezifischen Sondereinsatzgruppen.
In Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind ähnliche Strukturen entstanden, oft kleiner dimensioniert, aber mit denselben Berufsfeldern. Die Bayerische Landesanstalt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat eigens für Jägerinnen und Jäger Informationsangebote aufgesetzt, weil Bayern als Anrainer-Region mit Tschechien und Österreich besondere Vorsorgemaßnahmen betreibt.
Berufsfelder, die durch ASP gewachsen sind
Aus der ASP-Bekämpfung haben sich mehrere Berufsfelder herausgebildet oder deutlich ausgeweitet.
Berufsjägerinnen und Berufsjäger im ASP-Einsatz. Diese Stellen werden in den Restriktionszonen ausgeschrieben, oft befristet auf zwölf bis vierundzwanzig Monate, mit Verlängerungsoption. Aufgaben sind Schwarzwild-Reduktion, Zaun-Kontrolle, Fang von Wildschweinen mit Sauenfanganlagen, Suche und Bergung verendeter Tiere.
Hundeführerinnen und Hundeführer mit Suchhunden. Verendete Wildschweine sind in dichtem Bewuchs oft nicht zu finden. Suchhunde sind dafür ausgebildet, infektiöse Kadaver auch in unwegsamem Gelände zu lokalisieren. Diese Tätigkeit hat in den vergangenen Jahren ein eigenes Berufsfeld entwickelt, mit Stellen bei den Veterinärämtern, in Spezialfirmen und in den Landesforsten.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Veterinärwesen. Die Veterinärämter der betroffenen Landkreise haben Personal aufgebaut, das für ASP-Probenahme, Kadaver-Logistik, Dokumentation und Quarantäne-Überwachung zuständig ist.
Wildtiermanagement-Stellen mit Schwarzwild-Schwerpunkt. In den Landesforsten und in Forst-Verwaltungen sind neue Stellen entstanden, die das Schwarzwild-Monitoring koordinieren, mit Jagdausübungsberechtigten kommunizieren und Vegetationsgutachten in den betroffenen Gebieten begleiten.
Spezial-Dienstleister. Privatwirtschaftliche Anbieter, die Sauenfanganlagen aufstellen, Zaun-Wartung übernehmen oder Suchhundeführerteams stellen, haben Stellen geschaffen, die je nach Tierseuchen-Lage saisonal oder ganzjährig vergeben werden.
Vergütung und Beschäftigungsformen
Die Vergütung in ASP-bedingten Stellen ist unterschiedlich, weil sie aus verschiedenen Förderquellen finanziert wird. Stellen in den Landesforsten und Veterinärämtern laufen über Tarifverträge des öffentlichen Dienstes (TV-L oder TV-L-Forst). Stellen bei privaten Dienstleistern werden individuell verhandelt. Stellen mit Aufwandsentschädigung (etwa 150 Euro pro erlegtes Wildschwein in Brandenburg) sind keine klassischen Anstellungsverhältnisse, sondern Ergänzungen für Jagdausübungsberechtigte.
Wer in einer ASP-Stelle arbeiten will, sollte vor Vertragsunterzeichnung folgende Punkte klären: Befristung und Verlängerungsoption, Auswirkungen einer ASP-Lageveränderung auf die Stelle, Bereitschaftsdienst-Regelungen, hygienische Schulung und Arbeitsmittel-Bereitstellung, Rolle bei einem möglichen Ende der Tierseuche.
Was Bewerber mitbringen sollten
ASP-Stellen verlangen eine Mischung aus klassischer jagdlicher Qualifikation und spezifischen Zusatzfähigkeiten.
Pflicht ist in der Regel ein gültiger Jagdschein, oft die Berufsjäger-Prüfung oder eine vergleichbare Forstwirt-Ausbildung. Erwünscht sind Erfahrungen mit Sauenfang-Anlagen, mit nächtlicher Schwarzwildjagd, mit Wärmebild-Technik und mit Hundeführung. Wer einen geprüften Schweißhund oder Stöberhund führt, hat in vielen ASP-Stellen einen klaren Vorteil.
Wichtig sind außerdem psychische Belastbarkeit (Kadaver-Bergung ist eine fordernde Tätigkeit), Bereitschaft zu unregelmäßigen Einsatzzeiten und eine sorgfältige Dokumentations-Disziplin, weil jede Tätigkeit veterinärrechtlich nachgehalten werden muss.
Wie sich das Berufsfeld weiterentwickelt
Die ASP wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht aus Deutschland verschwinden. Solange das nicht der Fall ist, bleiben die ASP-bedingten Stellen ein eigener Teil-Arbeitsmarkt. Wenn sich die Tierseuche zurückzieht, wandelt sich das Berufsfeld in Richtung Vorbeugung und Monitoring, mit etwas weniger Personalbedarf, aber stabileren Strukturen.
Für Berufsjägerinnen und Berufsjäger ist die ASP damit ein Bereich, der mittelfristig Beschäftigung verspricht. Wer sich auf diesen Bereich spezialisiert, baut Qualifikationen auf, die in der Branche auch nach Abklingen der aktuellen Lage gefragt bleiben, weil sich Tierseuchen-Bekämpfung als professionelles Feld etabliert hat.
Eine Position
Die Afrikanische Schweinepest ist für die deutsche Land- und Forstwirtschaft eine schwere Belastung, sie hat aber für die Jagdbranche einen Beschäftigungsschub ausgelöst, der ohne sie nicht entstanden wäre. Berufsjäger-Stellen, Hundeführer-Stellen und Wildtiermanagement-Profile sind in einer Größenordnung entstanden, die das Berufsfeld professionalisiert.
Wer eine berufliche Spezialisierung im Schwarzwildmanagement, in der Tierseuchen-Bekämpfung oder im professionellen Wildtiermanagement sucht, findet in den ASP-Regionen Deutschlands aktuell ein dichtes Stellenangebot. Diese Stellen sind oft befristet, aber sie sind real, professionell vergütet und ein eigenständiger Einstiegspfad in das übergeordnete Berufsfeld des Wildtiermanagements.
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